In seiner apokalyptischen Ausgangssituation erinnert (REC) an wichtige existenzialistische Romane wie „Die Pest“ von Albert Camus oder auch „Die Stadt der Blinden“ von José Saramago. Ähnlich verstörend präsentiert uns die Story ein zweiköpfiges Fernsehteam, welches den nächtlichen Alltag der Feuerwehr dokumentarisch festhalten will und gemeinsam mit den Männern beim Einsatz ahnungslos ins Verderben läuft. Schon beim ersten Notfalleinsatz kommt es zur Eskalation, als die Feuerwehrleute einer hysterischen Frau zu Hilfe kommen wollen. Zwei der Männer werden schwer verletzt – doch Hilfe ist nicht in Sicht. Denn innerhalb der kurzen Zeitspanne des missglückten Einsatzes wurde das Haus abgeriegelt – niemand darf heraus, da der Verdacht auf einen unbekannten, höchst gefährlichen Virus besteht…
Leider verspielt der Film leichtfertig die zahlreichen interessanten Subtexte, welche sich aus der interessanten Quarantäne-Thematik ergeben. Immer wenn sich die Möglichkeiten zur gesellschaftskritischen Betrachtung internationaler Gesundheitssysteme bieten, drückt der dünne Plot künstlich aufs Gas und erzeugt Rasanz, wo Klaustrophobie und Beengung herrschen sollten. Atmosphärisch dicht gestaltet sich das Ganze nur in den wenigsten Sequenzen, eine gewisse Wirkung lässt sich den teilweise perfekt platzierten Schockeffekten aber nicht absprechen. Ohne den für den Horrorfilm so wichtigen Score schafft es das Regieduo einen bemerkenswerten Spannungsbogen aufzubauen, auch wenn die psychologische Grundsituation nur unzureichend ausgeschöpft wird.
Den Einsatz des in letzter Zeit unübersehbar beliebten Mockumentary-Stils kann der Film aber letztlich nicht erklären. Warum vertrauen die beiden Regisseure auf ein hier völlig unangebrachtes Konzept wenn augenscheinlich nur adrenalintreibender Schock auf dem Programm steht – diese Frage bleibt im Raum stehen. Durch das gewählte Format kann man sich am Ende aber umso leichter aus der Affäre ziehen, wie zu erwarten mündet das streng angewandte 10-Kleine-Negerlein-Prinzip in einem aufgesetzten, leicht vorhersehbaren Bad Ending. Das Finale trumpft also nicht mit inhaltlicher Originalität, wohlgemerkt ist die audiovisuelle Umsetzung aber gerade in der letzten Sequenz äußerst konsequent und stimmig.
Das sämtliche Charaktere farblos und relativ beliebig ausfallen, ist dem auf Authentizität pochenden Drehbuch zu verdanke, da helfen auch die sauberen darstellerischen Leistungen nur wenig. Als Zuschauer baut man einfach kein Verhältnis zu den Protagonisten auf, ihr Schicksal lässt also unterm Strich eher kalt. Ein Gefühl von Panik kann die bemüht hektische Kameraführung ebenfalls nicht aufbauen, da alles zu geordnet abläuft und sichtbar auf den bloßen Effekt reduziert wird. Die grausame zwischenmenschliche Komponente schneidet der Film zwar mehrmals an, schreckt aber vor einer allzu realistischen Darstellung zurück. Eher unglaubwürdig wird dem Zuschauer eine abgedroschene Dramaturgie aufgetischt, die ihre Tiefenwirkung schlichtweg verfehlt.
Auch wenn mit grafischen Details eher sparsam umgegangen wird, der gesamte Film ist erfüllt von Gewalt, Terror und Angst. Atempausen werden dem Zuschauer nur wenig gegönnt, ansatzweise täuscht das hohe Tempo sogar über die dünne Geschichte hinweg, die sich im Endeffekt nur um sich selbst dreht und sich von einer plakativen Szene in die nächste hangelt, ohne dem Gezeigten jemals wirkliche Bedeutung verleihen zu können. (REC) will zuviel, ohne sich für eine klare Ausrichtung entscheiden zu können und funktioniert deshalb nur als Unterhaltungsfilm mit unbestreitbar vorhandenen Längen.
Fazit: Formal unnötig modern, inhaltlich denkbar flach und nur in Ansätzen wirklich interessant. Balagueró kann deutlich mehr als er hier in Zusammenarbeit mit dem ebenfalls talentierten Paco Plaza zeigt. Schade, aber (REC) bleibt einfach zu nichtig um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Als Beobachtung menschlicher Verhaltensweisen innerhalb einer unbegreiflichen Extremsituation versagt der Film, auch die späte Keule gegen die katholisch bestimmten Wertvorstellungen der Spanier kann diesen Eindruck nicht abwenden.
05 / 10